Foto: Sebastian und Tobias
Text: Sebastian und Tobias

570 Kilometer. Rund 3.500 Höhenmeter. Drei Tage auf dem Mountainbike. Und am Ende die Erkenntnis: Wir müssen wohl noch einmal wiederkommen.

Wir sind Sebastian und Tobi, zwei Triathleten aus Frankfurt (Oder) und Berlin. Sportliche Herausforderungen sind für uns eigentlich nichts Ungewöhnliches. Sebastian bringt regelmäßig Langdistanz-Triathlons in unter zehn Stunden ins Ziel oder schafft es bei kleinen, lokalen Triathlons aufs Podest. Tobi hat mit verschiedenen Extrem-Triathlons und Ultraläufen ebenfalls schon die eine oder andere etwas fragwürdige Freizeitentscheidung getroffen.

Trotzdem war der OMBU BIKE MAN für uns etwas völlig Neues.

Denn 570 Kilometer auf dem Mountainbike lassen sich nur schwer mit einem Triathlon, einem langen Lauf oder einer normalen Radtour vergleichen. Märkischer Sand, Wurzeln, Kopfsteinpflaster, Trails, steile Rampen – und das Ganze nicht für ein paar Stunden, sondern über mehrere Tage. Konditionell fühlten wir uns gut vorbereitet. Aber würde der Körper das mitmachen? Die Hände? Der Rücken? Der Hintern? Und was passiert im Kopf, wenn nach 250 Kilometern noch mehr als 300 vor einem liegen?

Die ehrliche Antwort vor dem Start: Keine Ahnung! Also wollten wir es herausfinden.

Tag 1: Plötzlich war sogar der Streckenrekord ein Thema

Freitagmorgen, 6:13 Uhr in Prötzel.

Die Räder waren vorbereitet, die Taschen gepackt und die Stimmung bestens. Vor uns lag ein Abenteuer, bei dem wir zwar wussten, wie viele Kilometer es ungefähr werden würden, aber noch überhaupt nicht, wie sich diese Kilometer anfühlen würden.

Und zunächst fühlten sie sich erstaunlich gut an.

Wir kamen schnell in unseren Rhythmus, hatten Spaß auf der Strecke und machten ordentlich Kilometer. Landschaftlich zeigte Ostbrandenburg schon auf den ersten Stunden, was es zu bieten hat: Wälder, Seen, kleine Wege, überraschende Aussichten und immer wieder Abschnitte, bei denen man sich fragte, warum man diese Ecke eigentlich nicht längst kannte.

Irgendwann stellten wir fest, dass wir zeitlich ziemlich gut unterwegs waren. So gut, dass plötzlich ein Gedanke auftauchte, den wir vor dem Start zwar irgendwo im Hinterkopf gehabt, aber eigentlich nicht ernsthaft verfolgt hatten:

Der Streckenrekord könnte möglich sein.

Natürlich ist genau das ein gefährlicher Gedanke. Aus einem Abenteuer wird plötzlich ein Rennen gegen die Uhr. Aus einer Pause wird verlorene Zeit. Und aus „Mal schauen, wie weit wir heute kommen“ wird schnell die Frage: „Wie viel geht noch?“

Doch je länger der Tag wurde, desto deutlicher wurde auch, dass 570 Kilometer eben nicht nach den ersten 100 oder 150 Kilometern entschieden werden. Wir wollten nicht nur schnell sein. Wir wollten dieses Ding auch genießen – und vor allem ins Ziel bringen.

Also trafen wir unterwegs eine Entscheidung: Nach gut 260 Kilometern sollte Schluss sein. Lieber ein paar Stunden schlafen und am nächsten Morgen halbwegs regeneriert wieder aufs Rad steigen, als in der ersten Nacht schon alles auf eine Karte zu setzen.

Der Rekord konnte warten.

Um 21:40 Uhr erreichten wir Pillgram.

Tagesbilanz: 261,5 Kilometer, 13:41 Stunden Fahrzeit, 19,1 km/h im Schnitt und rund 1:45 Stunden Pause.

Und ungefähr vier Stunden Schlaf. Viel ist anders. Aber vier Stunden waren nach diesem Tag plötzlich ein Geschenk.

Tag 2: Weniger Rekord, mehr Abenteuer

Samstagmorgen, 5:41 Uhr.

Dass sich die Beine nach 260 Mountainbike-Kilometern vom Vortag nicht mehr ganz fabrikneu anfühlten, dürfte niemanden überraschen. Auch andere Körperteile meldeten inzwischen durchaus Gesprächsbedarf an. Vor allem unsere Hintern machten sehr deutlich, dass sie bei der Planung dieses Wochenendes offenbar nicht ausreichend beteiligt worden waren. 😉

Sportlich lief es trotzdem erstaunlich gut. Und nachdem wir den Rekordgedanken für dieses Wochenende verabschiedet hatten, drehten wir dafür kräftig an der Genuss-Schraube.

Das war eine ziemlich gute Entscheidung: Kaffee in Neuzelle. Pizza in Friedland. Immer wieder anhalten, schauen, lachen – und zwischendurch natürlich weiter Kilometer sammeln.

Gerade dieser zweite Tag zeigte uns, was den OMBU BIKE MAN ausmacht. Es geht nicht einfach darum, 570 Kilometer irgendwie abzuspulen. Die Strecke schickt einen mitten hinein in Ostbrandenburg. Über Wege, die man sonst wahrscheinlich nie fahren würde. Durch Wälder und kleine Orte, entlang von Seen, über Pflaster, Sand und Trails.

Manchmal wunderschön.

Manchmal wunderschön anstrengend.

Und manchmal einfach nur anstrengend.

Märkischer Sand kann beispielsweise eine erstaunlich persönliche Feindschaft mit einem Mountainbikefahrer entwickeln. Auch Baumwurzeln gewinnen mit zunehmender Fahrtdauer erheblich an Größe. Kopfsteinpflaster wiederum entfaltet nach mehreren hundert Kilometern eine ganz eigene Form von Humor – insbesondere, wenn es nass ist.

Dazu kamen langsam taube Hände, müde Muskeln und ein inzwischen ziemlich ramponierter Hintern.

An dieser Stelle noch eine wichtige Erkenntnis für alle zukünftigen OMBU-Teilnehmer: Blasenpflaster für die Füße funktionieren auch an ganz anderen Körperstellen hervorragend.

Man lernt eben nie aus.

Und trotz aller Schmerzen hatten wir weiterhin unglaublich viel Spaß. Vielleicht sogar gerade deshalb. Denn solche Erlebnisse werden zu zweit irgendwie leichter. Schlechte Momente werden geteilt und die guten gleich doppelt so schön.

Um 18:45 Uhr war an der Kirche in Wulfersdorf Schluss.

Tagesbilanz: 187,4 Kilometer, 10:23 Stunden Fahrzeit, 18,0 km/h im Schnitt und rund 2:40 Stunden Pause.

Damit war klar: Jetzt konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Eine ausgesprochen mutige Annahme…

Tag 3: Nur noch 127 Kilometer

Sonntagmorgen, 8:26 Uhr.

Vor uns lagen „nur noch“ 127 Kilometer. Es ist erstaunlich, wie sehr sich Maßstäbe innerhalb von zwei Tagen verschieben können. An einem normalen Wochenende würden wir 127 Kilometer als durchaus vernünftige (oder vielleicht sogar mehr als vernünftige) Mountainbiketour bezeichnen. Nach bereits fast 450 Kilometern fühlten sie sich dagegen plötzlich wie die Zielgerade an.

Und entsprechend groß war die Motivation.

Die Räder rollten gut, die Stimmung war bestens und das Ziel fühlte sich zum ersten Mal wirklich nah an. Kaffee unterwegs? Natürlich. Fischbrötchen? Selbstverständlich.

Dann lagen da allerdings noch ein paar Baumstämme herum.

Einer davon sorgte dafür, dass der Sonntag um einen kleinen Sturz bereichert wurde. Und irgendwann verabschiedete sich auch noch eine unserer „Arschraketen“, also die große Satteltasche, unbemerkt vom Fahrrad. Zum Glück wurde auch sie wiedergefunden.

Ein paar zusätzliche Geschichten für später konnten schließlich nicht schaden.

Nach den Rauener Bergen wurden die Beine dann doch noch einmal schwer. Aber zu diesem Zeitpunkt war aber längst klar, dass wir uns diesen letzten Abschnitt nicht mehr nehmen lassen würden.

Kilometer für Kilometer rückte Prötzel näher. Und dann war es tatsächlich geschafft.

Sonntag, kurz vor 16 Uhr, standen wir wieder dort, wo dieses Abenteuer begonnen hatte.

Gut 575 Kilometer auf unseren Tachos. Drei Tage voller Sand, Wurzeln, Kopfsteinpflaster, Müdigkeit, Schmerzen, Kaffee, Pizza, Fischbrötchen, großartigen Landschaften und noch besseren Erinnerungen.

Vor allem aber standen da zwei ziemlich glückliche Menschen, die vollkommen überraschend vom Erfinder des OMBU BIKE MAN, Nic Rohmann, persönlich begrüßt wurden. Eigentlich war Nic an dem Wochenende verreist…

Unvergesslich hart. Unvergesslich schön. Unvergesslich lehrreich.

Unser Fazit

Was bleibt nach einem solchen Wochenende?

Natürlich die körperliche Erinnerung. Taube Hände. Schwere Beine. Muskeln, die irgendwann einfach keine Lust mehr hatten. Und Körperstellen, über deren Zustand wir an dieser Stelle lieber nicht weiter ins Detail gehen.

Aber all das verblasst erstaunlich schnell gegenüber den anderen Bildern:

Der Sonnenaufgang im Schlaubetal. Die Seen. Kleine versteckte Orte. Einsame Trails. Der Kaffee in Neuzelle. Die Pizza in Friedland. Die gemeinsamen Kilometer. Das Gefühl, nach einem langen Tag völlig erschöpft anzukommen und am nächsten Morgen trotzdem wieder aufs Rad zu steigen.

Und die Erkenntnis, wie abwechslungsreich und wunderschön Ostbrandenburg ist.

Wir kommen beide aus der Region beziehungsweise leben ganz in der Nähe. Trotzdem hat uns diese Tour Ecken gezeigt, die wir noch nie gesehen hatten. Genau das macht für uns einen großen Teil dieses Abenteuers aus.

Deshalb an dieser Stelle auch ein riesiges Dankeschön an Nic für die Zusammenstellung dieser Strecke. Man kann wahrscheinlich erst dann wirklich einschätzen, wie viel Arbeit darin steckt, wenn man selbst 570 Kilometer lang einem solchen Track gefolgt ist. Diese Arbeit kann gar nicht hoch genug wertgeschätzt werden.

Unser ursprüngliches Ziel war es, herauszufinden, ob wir dieses Abenteuer schaffen können.

Die Antwort kennen wir jetzt.

Aber leider gibt es da noch diese eine Sache.

Diesen Streckenrekord.

Wir hatten ihn am ersten Tag kurz in Reichweite, haben uns dann bewusst für Schlaf, Genuss und drei großartige Tage entschieden. Bereut haben wir davon keine Sekunde.

Trotzdem wissen wir jetzt natürlich, was möglich sein könnte. Und deshalb endet unsere Geschichte vermutlich nicht mit den Worten: „OMBU BIKE MAN – geschafft.“

Sondern eher mit:

„OMBU BIKE MAN – wir kommen wieder!“

Denn da ist noch ein Rekord zu knacken.

#TheRecordBreakers oder vielleicht doch #TheRecordBreaksTheRecordBreakers?

Wir werden sehen!

——————————————————————————————————————–

Möchtest auch du auf OMBU BIKE WOMAN / MAN Tour gehen?

Dann melde dich gleich an und sei die / der nächste OMBU BIKE WOMAN / MAN.

Zur Anmeldung: hier…

https://bikeman.multisport-los.de/